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Was ist das SL-Band?|Was ist die richtige Therapie für mich?|Wie ist die Prognose?|Muss ich unbedingt operiert werden?
Antworten finden Sie hier

Anatomie und Biomechanik

Die Anatomie des Handgelenks ist schwierig und in vielen Einzelheiten noch nicht ganz verstanden. Deshalb werden Verletzungen der Handwurzel einerseits häufig übersehen und andererseits häufig nicht ausreichend behandelt. Die Handwurzel ist zur normalen Funktion dabei vor allem auf unverletzte Bänder angewiesen.

Das "Handgelenk" besteht aus Speiche und Elle, acht Handwurzelknochen und den Knochen der Mittelhand (Bild) sowie über 20 Bändern. Das wannenförmige skapholunäre Band (SL-Band) spannt sich dabei zwischen dem Kahnbein (Os scpaphoideum bzw. Skaphoid) und Mondbein aus. Im normalen Handgelenk hat das Kahnbein die Tendenz, sich unter Belastung Richtung Handfäche zu beugen, während das Dreiecksbein (Os triquetrum bzw. Triquetrum) eine entgegengesetzte Streckbewegung durchführen möchte. Im gesunden Handgelenk können die Knochen dieser Tendenz allerdings nicht folgen, da sie durch Bänder in einer Neutralstellung gehalten werden.

Die Funktion des gesunden Handgelenks ist nach wie vor nicht vollständig erforscht.

Schema SL-Bandverletzung

Bei einer Verletzung des SL-Bands können diese Knochen nun ihrer natürlichen Tendenz unter Belastung folgen, weichen auseinander und zeigen im seitlichen Röntgenbild die charakteristische Fehlrotation ("DISI-Stellung") (Bild). Durch diese Fehlstellung werden die Gelenkflächen der Speiche sowie der Handwurzelknochen unnatürlich belastet und verschleißen vorzeitig. Dieser Gelenkverschleiß (Arthrose) in Folge der Bandverletzung wird als SLAC wrist bezeichnet und ist die gefürchtete, schmerzhafte langfristige Komplikation der SL-Bandverletzung.

Diagnose der SL-Bandverletzung

Lange bestehende Handgelenksschmerzen sollten unbedingt durch einen erfahrenen Handchirurgen abgeklärt werden. Nicht selten sind alte, als "Prellung" fehldiagnostizierte SL-Bandverletzungen oder Brüche des Kahnbeins (Skaphoidfrakturen) Ursachen der Beschwerden.

Leider ist die Diagnose der SL-Bandverletzung sehr schwierig, da viele erstversorgende Ärzte keine ausreichende Erfahrung mit dem Krankheitsbild haben. Grundlage jeder Untersuchung des Handgelenks sind eine Befragung des Patienten (Anamnese) sowie eine körperliche Untersuchung. Diese kann bei Verdacht auf eine Verletzung zunächst durch ein einfaches Röntgenbild ergänzt werden, weitere Verfahren sind für den erfahrenen Handchirurgen meist nicht erforderlich.

Arthroskopie: normales SL-Band

Eine Kernspintomografie wird zwar zur Festellung einer SL-Bandverletzung oft durchgeführt, ist jedoch mit einer beträchtlichen Anzahl an Fehlinterpretationen verbunden. Die einzige Methode, um die skapholunäre Bandverletzung sicher festzustellen, ist die Handgelenksspiegelung (Arthroskopie). Hierbei kann das Band mit Hilfe einer kleinen Videokamera direkt angesehen und beurteilt werden.

Bei der Untersuchung besteht meist eine Schmerzhaftigkeit an der Speichenseite des Handgelenks. Ein geübter Untersucher kann bereits durch eine körperliche Untersuchung eine krankhafte Beweglichkeit des Kahnbeins feststellen ("Watson-Test").

Bei Unfällen oder Schmerzen im Bereich des Handgelenks und der Hand ist eine frühzeitige Vorstellung bei einem Handchirurgen grundsätzlich sinnvoll. Oft können so fehlerhafte Erstbehandlungen vermieden oder korrigiert werden.

Verletzungen des SL-Bands könenn sehr unterschiedliche Ausprägungen haben und es ist sehr wichtig, sie nicht als ja/nein-Phänomen zu verstehen. Viele verschiedene Gesichtspunkte müssen bei der Diagnose einer SL-Bandverletzung berücksichtigt werden, z.B.

  • Beschwerden des Patienten : Letztendlich ist das Ziel, eine möglichst beschwerdefreie Beweglichkeit zu erhalten. Ohne Beschwerden ist eine Operation auch langfristig manchmal nicht nötig.
  • Ausprägungsgrad der Verletzung: In manchen Fällen kann die Handwurzel auch bei vollständigen Rissen des Sl_Bands durch die vielen anderen Bänder stabil gehalten werden.
  • Alter der Verletzung : Bei frischen Verletzungen kann unter Umständen noch eine direkte Naht des Bandes erfolgen.
  • Stellung der Handwurzelknochen: Nicht alle Bandverletzungen führen zu Fehlbelastungen der Gelenkfläche.
  • Beurteilung der Reponierbarkeit: Bei lange Bestehenden Veränderungen verkürzt sich der gesamte Bandapparat am Handgelenk und macht eine Wiederherstellung der normalen Gelenkposition unmöglich.
  • Abnutzung der Gelenkflächen: Ist ein Gelenkverschleiß (Arthrose) bereits eingetreten, macht eine Wiederherstellung des Bandes keinen Sinn mehr.

Möglichkeiten zur Behandlung der SL-Bandverletzung

Diese Webseite kann und will in keinem Fall eine persönliche Beratung durch einen Arzt ersetzen. Entscheidungen zur Behandlung, gerade bei so komplizierten Krankheitsbildern wie der SL-Bandverletzung, müssen immer im Einzelfall nach einer persönlichen Untersuchung getroffen werden.

Die Behandlung einer SL-Bandverletzung muss sehr differenziert erfolgen. Nach Klärung der Befundes am Handgelenk, lassen sich verschiedene klinische Situationen unterscheiden ("Stadien"). Danach ergeben sich verschiedene Behandlungsmöglichkeiten der SL-Bandverletzung:

  • Ruhigstellung und Schmerzmittel: in wenigen günstigen Fällen kann bei unvollständigen Verletzungen die sogenannte "symtomatische Therapie" ausreichend sein.
  • Arthroskopische Operation ("Schlüssellochchirurgie") : Über kleine (< 1cm) große Schnitte können Bandanteile entfernt oder durch eine Sonde "geschrumpft" werden.
  • Krankengymnastische Behandlung: Es gibt Hinweise, dass die Handwurzel durch eine Kräftigung des Bandapparats auch bei vollständiger Verletzung des SL-Bands ausreichend stabilisiert werden kann. Wir führen hierzu in Zusammenarbeit mit der DAHTH eine Studie durch.
  • Direkte Naht des Bands: Innerhalb von etwa 6 Wochen nach Verletzung kann eine direkte Naht des SL-Bands versucht werden.
  • Wiederherstellung des SL-Bands: Leider gibt es bis heute kein verlässliches Verfahren, das skapholunäre Band entsprechend seiner ursprünglichen Form und Funktion wiederherzustellen. Patienten sollten differenziert hinsichtlich der Behandlungsverfahren (Tenodese, Kapsulodese, Knochen-/Bandtransplantationen etc.) beraten werden.
  • "Rettungsoperation": Auch bei bereits eingetretenem Gelenkschaden kann durch z.B. durch eine Teilversteifung ("mediokarpale Teilarthrodese") langfristig eine schmerzfreie Beweglichkeit des Handgelenks mit gutem Bewegungsausmaß erreicht werden.

Interesse an einer individuellen Beratung? Zur Terminvereinbarung

Unsere Therapiestudie in Zusammenarbeit mit der Deutschsprachigen Arbeitsgemeinschaft für Handtherapie (DAHTH)

PD Dr. Kai Megerle hat in Zusammenarbeit mit der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Handtherapie e.V. (DAHTH) auf der Basis von neuen biomechanischen Erkenntnissen ein neuartiges Übungsprogramm entwickelt, das am Klinikum rechts der Isar im Rahmen einer klinischen Studie erprobt wird.

Grundlage des Therapieprogramms sind Erkenntnisse zur Stabilisierung des Handgelenks durch verschiedene Muskeln am Unterarm. Obwohl an der Handwurzel selbst keine Muskeln ansetzen, kann die Stabilität unter Umständen indirekt durch ein gezieltes Training bestimmter Muskeln am Unterarm trainiert werden.

Nicht alle SL-Bandverletzungen kommen für einen Behandlungsversuch durch die "konservative" (=nicht operative) Therapie in Frage. In allen Fällen muss eine sorgfältige Untersuchung und Beratung erfolgen. Eine fehlerhafte oder gar nicht durchgeführte Behandlung von SL-Bandverletzungen kann mit langfristig schwersten Folgen verbunden sein.

Einen Termin für eine individuelle Beratung, selbstverständlich auch bei allen anderen Problemen an der Hand, können Sie hier vereinbaren.

Häufige Fragen bei der Behandlung der SL-Bandverletzung (FAQ)

In der Kernspintomographie (MRT) wurde bei mir eine SL-Bandverletzung diagnostiziert. Muss ich operiert werden?
Je nach MRT-Qualität und Erfahrung des befundenden Arztes liegt in bis zu 40% der Fälle gar keine Verletzung vor! Deshalb ist wichtig, bei fraglicher SL-Bandverletzung einen erfahrenen Handchirurgen aufzusuchen.
Zahlt meine Krankenkasse die verschiedenen Behandlungen?
Ja, alle oben genannten Therapieoptionen werden üblicherweise von gesetzlichen als auch privaten Versicherungen übernommen.
Wie finde ich einen Handchirurgen?
Einen Handchirurgen können Sie z.B. über die Webseite der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie finden
Wie ist meine langfristige Prognose?
Die Prognose bei SL-Bandverletzungen kann nur im Einzelfall im Rahmen eines Beratungsgesprächs unter Berücksichtigung aller Befunde eingeschätzt werden. Ziel ist jedem Fall eine möglichst gute, langfristige und schmerzlose Bewegung des Handgelenks.
Ich habe mich verletzt, in der Notaufnahme meines Krankenhauses gibt es aber keinen Handchirurgen. Was soll ich tun?
Nur in sehr wenigen Fällen ist bei Verletzung der Hand oder des Handgelenks eine sofortige Operation erforderlich. Fast immer ist es ohne Nachteil, einen erfahrenen Handchirurgen erst einige Tage nach dem Unfall aufzusuchen.
Warum diese Seite?
Die Sl-Bandverletzung ist ein kompliziertes Behandlungsbild, zu dem oft viele Fragen bestehen. Auf dieser Webseite möchen wir häufige Fragen bereits im Vorfeld klären, um gemeinsam mit dem Patienten die richtige Behandlung zu finden.

Kontakt

Priv.-Doz. Dr. Kai Megerle

Priv.-Doz. Dr. Kai Megerle

Plastischer Chirurg, Handchirurg

Priv.-Doz. Kai Megerle ist Oberarzt an der Klinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München.

Einer seiner fachlichen Schwerpunkte ist die Chirurgie der Handwurzel. Die Ergebnisse seiner Forschungsarbeiten zu diesem Thema sind in vielen der wichtigsten internationalen Fachzeitschriften veröffentlicht und wurden auf Kongressen in der ganzen Welt vorgestellt.

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Priv.-Doz. Dr. Kai Megerle
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